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‚Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe‘ von A. J. Betts

★ ★ ☆ ☆ ☆  2 von 5 Sternen


|  I N H A L T  |

Kopf an Kopf liegen Zac und Mia in ihren Krankenhausbetten, nur durch eine dünne Wand getrennt. Diagnose: Krebs. Gefühlszustand: isoliert und allein. Und aus ersten Klopfzeichen erwächst eine Liebe, die unter normalen Umständen niemals möglich gewesen wäre …

|  R E Z E N S I O N  |

In diesem Roman geht es um die Geschichte von Zac und Mia, ihrer Diagnose Krebs und ihrer wachsenden Freundschaft, die sich bishin zu einer zaghaften Liebe entwickelt. Zac hat Leukämie und wird nun nach mehreren Zyklen Chemotherapie Knochenmark transplantiert. Er darf sein Zimmer nicht verlassen, doch durch die dünnen Wände bekommt er doch so einiges auf Station mit. Auf dieser gleichen Station im Nachbarzimmer zieht ein neues Mädchen ein, ihre Diagnose Osteosarkom im Bein. Durch anfängliche Klopfzeichen als beginnende Kommunikation entwickeln sich lange Gespräche vor allem nachts über den Facebook Chat. Als beide schließlich entlassen werden, trennen sich zunächst ihre Wege, bis sie durch die Verkettung mehrerer Umstände doch wieder aufeinander treffen.

Zac ist in Remission zu Hause, seine Eltern besitzen eine Farm im Outback Australiens und haben oft Besucher oder Arbeiter des Work and Travel Programms bei sich. Er versucht sich langsam wieder in das Leben einzufinden, muss jedoch auf viele Regeln achten und hat große Angst ein Rezidiv zu erleiden. Mia ist absolut enttäuscht von ihrer Mutter, nachdem sie der Beinamputation ohne ihr Wissen zugestimmt hat und damit ihr Leben zerstört hat. Bei Zac sucht sie Zuflucht und lernt diesen damit auf eine ganz neue Weise kennen. Hier beginnt der Weg beider zurück ins Leben.

Die Idee der Geschichte fand ich absolut interessant und durch die fast durchweg positiven Bewertungen bei Amazon ist das Buch auch schließlich bei mir eingezogen. Ich habe den Roman auch super schnell verschlungen, denn der Schreibstil ist recht einfach gehalten und medizinische Fakten sind sehr verständlich beschrieben worden. Leider hat mich die Geschichte überhaupt nicht überzeugt, denn einerseits wurde ich nicht so warm mit Mia – ihre ständigen Nörgeleien und das kindische Unverständnis gegenüber der Erkrankung haben mich sehr genervt – und andererseits bin ich leider absolut vom Fach und habe einen Fehler nach dem anderen entdeckt.

So gibt es Zentren für Knochenmarktransplantation – kurz KMT – und das sicher auch in Australien, sodass Patienten mit einem Osteosarkom niemals mit Patienten in diesem Stadium der KMT auf einer Station zusammen liegen würden. Außerdem schläft Zacs Mutter jeden Tag bei ihm im Zimmer, was in seinem Alter einfach bei den Hygieneregeln und der Keimbelastung durch jeden Besucher absolut nicht vertretbar ist. Zudem wird nur erwähnt, dass das Händewaschen so wichtig ist, um die Keime zu reduzieren, aber sehr wichtig ist vor allem das ständige Tragen eines Mundschutzes von jedem, der das Zimmer betritt. So darf seine Mutter auch nicht in seinem Zimmer essen oder trinken, was eine 24h Betreuung gleich wieder unmöglich macht. Dann kommt noch die Tatsache dazu, dass Zac nach Entlassung wieder gewisse Tätigkeiten auf der Farm übernimmt, nämlich das Entfernen von Tierkot, was einfach mit das Schlimmste bzw. vielleicht sogar das Dümmste ist, was ein immunsupprimierter Patient machen sollte. Auch das Ende fand ich wirklich daneben. Da möchte ich nicht allzu viel verraten, aber für mich kam es so rüber, als ob man als Patient selbst entscheiden kann, wann man eine Therapie haben will und man dann aber sicher geheilt ist – als ob es bei jedem Patienten so einfach wäre. Und das war jetzt nur eine Auswahl an Situationen, die absolut nicht stimmig waren.

Alles in allem war ich deshalb sehr enttäuscht von der ganzen Geschichte, da ich sie doch etwas fernab der Realität fand. Sicher hat jedes Land seine eigenen Konzepte bezüglich einer Krebstherapie, aber es gibt einfach gewisse festgelegte Standards, die auch weltweit gelten. Die Beziehung zwischen Zac und Mia hat zwar eine gewisse Tiefe erlangt, aber mich hat sie trotzdem nicht so berührt wie ich gehofft hatte. Deshalb ist dieses Buch bisher eine meiner Enttäuschungen des Jahres und kann es nur weiter empfehlen, wenn man wirklich keine Vorerfahrungen oder Fachwissen in diesem Genre hat.

Hier geht es zum Buch: ‚Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe‘ von A. J. Betts.

|  Z U R   A U T O R I N  |

A. J. Betts ist Englischlehrerin und Dozentin in Perth, Australien. Sie unterrichtet seit vielen Jahren in einem Krankenhaus. Die Jugendlichen, die sie dort kennen gelernt hat, haben sie zu diesem Roman inspiriert. ‚Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe‘ wurde 2012 mit dem Text Prize for Young Adult and Children’s Writing ausgezeichnet.

© Inhalt und Info zur Autorin Fischer Verlag

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