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‚Der Junge im gestreiften Pyjama‘ von John Boyne

 

★ ★ ★ ☆ ☆  3 von 5 Sternen


 |  I N H A L T  |

Die Geschichte von »Der Junge im gestreiften Pyjama« ist schwer zu beschreiben. Normalerweise geben wir an dieser Stelle ein paar Hinweise auf den Inhalt, aber bei diesem Buch – so glauben wir – ist es besser, wenn man vorher nicht weiß, worum es geht. Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungen namens Bruno. (Und doch ist es kein Buch für Neunjährige.) Früher oder später kommt er mit Bruno an einen Zaun. Zäune wie dieser existieren auf der ganzen Welt.

|  R E Z E N S I O N  |

In diesem Roman wird aus Kinderaugen der Nationalsozialismus erlebt und ansatzweise kennen gelernt. Anders als die meisten Bücher aus dem Holocaust ist der 9 jährige Bruno Sohn eines deutschen Offiziers, der mit seiner Familie nach Auschwitz zieht und dessen Vater dort die Führung des Vernichtungslagers übernimmt. Die Geschichte wird also aus der Sicht eines deutschen arischen Jungen erzählt und nicht aus der Jüdischen.

Bruno ist in einer sehr gehobenen Gegend in Berlin aufgewachsen und kennt es gut umsorgt zu werden. Es gab schon immer Haushälterinnen, Kindermädchen und Köche, die die Familie unterstützt haben. Er liebt sein Zuhause, seine Freunde und die gewohnte Freiheit. Als Brunos Vater die Beförderung erhält, das KZ in Auschwitz zu leiten, kann Bruno dies ganz und gar nicht gutheißen. Er findet das neue Haus nicht groß genug, sehr grau und überall sind Zäune, wo soll man denn da spielen und dann noch ohne Freunde? Der neue Job seines Vaters ist doch sicherlich ein Missverständnis.

Die Umgebung scheint Bruno gar nicht zu gefallen, auch die „Bauern in ihren Schlafanzügen“, die er von seinem Zimmer aus beobachten kann, sind irgendwie komisch. Bruno ist ein sehr naiver und gutgläubiger Junge, der die politischen Zustände zu der Zeit überhaupt nicht versteht bzw. nicht einmal kennt. Jegliche Aufklärung oder Hintergründe zur Art der Arbeit seines Vaters werden ihm verschwiegen.

Nach einigen Monaten schleicht sich Bruno etwas vom Haus davon um Spielkameraden zu suchen und findet sich an dem großen Stacheldrahtzaun wieder. Dort sitzt Schmuel auf der anderen schmutzigen Seite des Zaunes auf dem Boden, ein Junge in seinem Alter in einem gestreiften Pyjama. Hier beginnt eine sehr interessante und nicht unbedingt ebenbürtige Freundschaft der beiden Jungen. Auf der einen Seite ist da Bruno, der doch nur mit Schmuel spielen und ihn zum Essen einladen möchte, der nicht begreift warum keiner der beiden auf die andere Seite des Zaunes darf. Auf der anderen ist da der hagere und sehr traurige Schmuel, der Brunos Ahnungslosigkeit nicht nachvollziehen kann, sich aber dennoch über einen neuen Freund und die täglichen Begegnungen freut und damit Ablenkung von der grausamen Realität bekommt.

Insgesamt muss ich sagen, dass das Buch sehr schnell und angenehm zu lesen ist, da man sich wirklich in Bruno hineinversetzt fühlt und alles aus Kinderaugen erlebt. Es ist sehr echt geschrieben, allerdings war ich manchmal doch sehr geschockt, wie naiv und unwissend Bruno scheint. Die Emotionen kamen für mich nicht ganz gelungen rüber, wie es normalerweise bei diesem Thema der Fall ist. Durch Brunos Augen wird alles eher rational beleuchtet, ohne viel Empathie und Verständnis.

Sehr interessant war für mich dann der Vergleich zum Film: Zu meiner Überraschung kann ich nur sagen, dass der Film vielleicht sogar zum ersten Mal in so einem Vergleich richtig gut ist, ja sogar das Buch um einiges übertrifft! Die ganzen Emotionen, das Verhältnis von Bruno zu seiner Mutter, die Nähe des Hauses zum KZ sowie die beständige Trauer und Grausamkeit dieser Zeit werden sehr gut wiedergegeben. Einfach eine tolle Umsetzung!

Als Fazit kann ich dieses Mal wirklich sehr den Film empfehlen! Auch das Buch ist eine gute Abwechslung zur Lektüre über den Holocaust, es hat mich jedoch leider nicht ganz so überzeugt wie ich gehofft habe.

Hier geht es zum Buch: ‚Der Junge im gestreiften Pyjama‘ von John Boyne.

|  Z U M   A U T O R  |

John Boyne wurde 1972 in Dublin, Irland geboren, wo er auch heute noch lebt. Er ist Autor von mehreren Romanen, darunter ‚Der Junge im gestreiften Pyjama‘, der zwei Irische Buchpreise gewann, für den British Book Award nominiert war und vor kurzem verfilmt wurde. John Boynes Romane wurde in über 50 Sprachen übersetzt.

© Inhalt und Info zum Autor FISCHER Taschenbuch Verlag

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